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02.12.2002 - 11:09
Grüne fordern «andere Behindertenpolitik» statt Abschiebung ins Heim

Dr. Andreas Jürgens   
Kassel (kobinet) Zum internationalen Tag der Behinderten am 3. Dezember fordern die Grünen eine «andere Behindertenpolitik» im Land. «Hessen braucht ein Gleichstellungsgesetz für behinderte Menschen, wie es von der rot-grünen Mehrheit im Bund verabschiedet wurde und von den meisten Bundesländern jetzt vorbereitet wird. Die Integration behinderter Kinder in Kindergärten und Schulen, barrierefreie Angebote der Hochschulen, des Öffentlichen Personennahverkehrs, kultureller und anderer öffentlicher Einrichtungen, die Rechte und Aufgaben des Landesbehindertenrates, die Förderung der Gebärdensprache der Gehörlosen und manches andere muss gesetzlich abgesichert werden», fordert Dr. Andreas Jürgens aus Kassel, von Geburt an selbst behindert und Landtagskandidat auf Platz 10 der GRÜNEN Landesliste in Hessen.

Es sei ein Skandal, dass die CDU/FDP-Landesregierung als inzwischen fast einzige in Deutschland ein Gleichstellungsgesetz verweigere. Stattdessen plane die Sozialministerin die verstärkte Abschiebung behinderter Menschen in Heime. «Erst kürzlich wurde vom Sozialministerium und vom Landeswohlfahrtsverband ein Konzept für neue ,Wohnpflegeheime' vorgestellt, in denen körperbehinderte Menschen untergebracht werden sollen. Wir behinderte Menschen brauchen aber keine neuen Institutionen, sondern ein gleichberechtigtes Leben in der Gemeinschaft und die notwendige Unterstützung in der eigenen Wohnung», so Rollstuhlnutzer Jürgens. Wer erwachsenen Menschen zumute, ein Leben nach den Regeln eines Heimbetriebs zu führen in einer Zimmergröße auf dem Niveau von Studentenwohnheimen, wie im Konzept von Ministerin Lautenschläger, betreibe eine «rückwärtsgewandte Politik» und habe von der Selbstbestimmung behinderter Menschen nichts verstanden. Jürgens fordert stattdessen den Ausbau der ambulanten Dienste, damit mehr Behinderte auch außerhalb von Einrichtugen leben können.

«Für uns GRÜNE ist die Selbstbestimmung behinderter Menschen kein leeres Gerede, sondern gelebte Realität. Dies wird nicht zuletzt auch mit meiner Kandidatur für den Landtag deutlich. Ich hoffe, dass ich nach der Hessenwahl am 2. Februar an einer anderen Behindertenpolitik im Land mitwirken kann», so Jürgens. omp

 

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Rolf Barthel   am 08.12.02
 

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