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03.12.2002 - 9:41
Von der Kampagne zum Assistenzgesetz
kobinet-nachrichten: Am 29.11.02 ist die vom Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen - ForseA e.V. - koordinierte Kampagne für eine faire Assistenz zu Ende gegangen. Wie sind Sie mit dieser Kampagne zufrieden? Elke Bartz: Insgesamt war es eine erfolgreiche Kampagne. Wir haben selbst über zwanzig Veranstaltungen durchgeführt. Aber auch andere Organisationen haben die Kampagne mit eigenen Veranstaltungen unterstützt. Ein kleiner Wermutstropfen war, dass sich mehr behinderte Menschen an ihren Wohnorten im Wahlkampf hätten einbringen können. Aber behinderte Menschen sind nicht schlechter, aber auch nicht besser als nichtbehinderte. Das war also ein Stück Normalität. kobinet-nachrichten: Welche Highlights gab es während der Kampagne - und welche Aktivität fanden Sie dabei am wichtigsten? Elke Bartz: Das ist schwierig zu sagen, denn ich finde jede einzelne Aktivität wichtig. Aus den vielen «Puzzelteilen» ergibt sich ein Gesamtbild der Notwendigkeit gesetzlicher Regelungen für eine faire Assistenz, werden aber auch Informationen über die Bedeutung von Assistenz den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung nahe gebracht. Hervorzuheben ist vielleicht die Broschüre «Faire Assistenz», von der wir viertausend Stück gedruckt hatten. Alle Abgeordeneten des neuen Bundestages haben eine solche erhalten. Seither gehen täglich Antwortschereiben von Abgeordneten jeder Couleur ein. Außerdem ist fast die komplette 1. Auflage der Broschüre vergriffen, so dass wir nochmal 2000 nachdrucken ließen. kobinet-nachrichten: Wie wird es nun weitergehen, das geforderte Assistenzsicherungsgesetz scheint ja noch in weiter Ferne? Elke Bartz: Wir vertrauen unter anderem, dass im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen (EJMB) besondere Sensibilität für dieses Thema herrscht, bzw. durch zahlreiche Aktivitäten weiter geweckt wird. Wenn ich ein, zwei Jahre zurückschaue, hat sich schon einiges geändert. Damals war Assistenz ein Randthema, heute ist sie in aller Munde. Wir werden jedenfalls nicht aufgeben, sondern im Gegenteil verstärkt auf die PolitikerInnen zugehen, uns wo immer möglich in Gremien einbringen und unberechtigte Ängste nach unfinanzierbaren Kosten, auszuräumen versuchen. Natürlich kostet qualitativ hochwertige Assistenz Geld. Doch die dafür notwendigen Summen sind nicht so eklatant hoch, wie oft befürchtet. Schließlich gibt es auch heute schon keine Leistungen umsonst. Noch vor wenigen Jahren erschien ein Bundesgleichstellungsgetz in schier unerreichbarer Ferne. Nun ist es schon sieben Monate alt. Warum sollen Visionen für ein Assistenzgesetz nicht auch in greifbarer Zeit Realität werden? kobinet-nachrichten: Wird sich ForseA zukünftig auch verstärkt um die Auflösung und Umstrukturierung von Einrichtungen bemühen oder sich hauptsächlich auf diejenigen konzentrieren, die schon außerhalb von Einrichtungen leben? Elke Bartz: Ich denke, wir können nicht das eine tun und dafür das andere lassen. Großeinrichtungen sollten bald Relikte eines vergangenen Jahrtausends sein, denen niemand bei ihrer Abschaffung hinterherjammert. Wir brauchen verschiedenste, wohnortnahe Angebote, die auch bei schwerstbehinderten Menschen Selbstbestimmung ermöglichen. Auf Assistenz angewiesene behinderte Menschen müssen das Wunsch- und Wahlrecht auf eine selbstgewählte Lebensform ohne jegliche Einschränkungen wahrnehmen können. kobinet-nachrichten: Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall viel Erfolg bei Ihren Aktivitäten. omp |
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