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Von kobinet-Korrespondent Franz
Schmahl
Berlin (kobinet) Behinderte Menschen in Deutschland wehren
sich dagegen, dass sie von Sozialkürzungen gleich mehrfach betroffen sind. Sie
beteiligen sich an dem sich formierenden Widerstand wie an den Demonstrationen
gegen sozialen Kahlschlag in Berlin oder heute in Wiesbaden. Sie sehen sich
gegenwärtig einer Sozialabbau-Konkurrenz der Bundestagsparteien gegenüber, die
von den Politikern mit den sich verschärfenden Wettbewerbsbedingungen auf dem
Weltmarkt und notwendigen Reformen am Standort Deutschland gerechtfertigt wird.
Unabhängig von der politischen Farbenlehre wurden in den vergangenen Monaten mit
Ausnahme von Bayern in allen Bundesländern die Hilfen für blinde Menschen
gekürzt.
«Für die rund 200.000 Menschen, von denen 70 Prozent nach dem
60. Lebensjahr das Augenlicht verloren haben und ihre Renten für Hilfen und
teuere Hilfsmittel nicht ausreichen, ist das schmerzhaft», sagt Ottmar
Miles-Paul, der Sprecher von Netzwerk Artikel 3. In dem Netzwerk ringen 70
Selbsthilfeorganisationen bundesweit seit 1997 um die Verwirklichung des Satzes
in Artikel 3 Grundgesetz: «Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt
werden.» Durch die geplanten Sozialreformen der rot-grünen Bundesregierung
erhalten diese Bemühungen nach Meinung der Verbände einen Rückschlag. Gleiche
Rechte bedeutet, dass mit dem positiven Votum des SPD-Parteitags (kobinet-nachrichten
17.11.2003) nun sehr schnell ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz auf
den Weg gebracht wird.
Wenn der Entwurf der rot-grünen
Bundestagsfraktion für die Einordnung der Sozialhilfe in ein XII.
Sozialgesetzbuch (SGB) Wirklichkeit wird, befürchten auf Assistenz angewiesene
Menschen Verschlechterungen statt der versprochenen Verbesserungen. Behinderte,
die mit Zuwendungen der Pflegeversicherung und Sozialhilfe ihre Hilfskräfte
selbst anstellen, müssten einen größeren Betrag von ihrem Lohn oder ihrer Rente
dafür abzwacken, sagte Rollstuhlfahrerin Elke Bartz auf einer Tagung zum
Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen. Als Vorsitzende des Forums
selbstbestimmter Assistenz (ForseA) kämpft die durch einen Autounfall seit 27
Jahren querschnittsgelähmte Frau gegen ungerechtfertigte Heimeinweisung
pflegebedürftiger Menschen und für ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen
Wohnung.
ForseA will ein persönliches Budget wie in Schweden erreichen.
Dort gibt die Regierung trotz des Sparzwangs bei den Sozialausgaben den auf
Hilfe angewiesenen Menschen monatlich ein Budget, damit sie die Hilfskräfte als
Arbeitgeber selbst aussuchen und beschäftigen können. Nach dem SGB-Entwurf
sollen Pflegebedürftige aber nicht eigene Hilfskräfte einstellen, sondern mit
Gutscheinen Pflege bei ambulanten Anbietern kaufen. «Wir wollen uns aber nicht
vorschreiben lassen, wann wir duschen, essen oder zur Toilette gehen dürfen», so
Elke Bartz.
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