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kobinet-nachrichten 10.09.2006 - 12:18
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Kritik an Koordination des Europäischen Jahres

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Mainz (kobinet) Die Mitgliederversammlung der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) hat die Entscheidung, die Koordination des Europäischen Jahres der Chancengleichheit für alle 2007 an die Geschäftsstelle der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) zu vergeben am Wochenende mit Erstaunen zur Kenntnis genommen und diese scharf kritisiert.

"Wir finden es doch sehr verwunderlich, dass das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit der Bundesarbeitgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege für die Unterstützung der Durchführung des Jahres ausgerechnet eine Organisation ausgewählt hat, in deren Reihen wir behinderte Menschen vielfältige Diskriminierungen ausmachen. Nach der weisen Wahl von Horst Frehe als selbst betroffener und für die Gleichstellung engagierter Rollstuhlnutzer für die Wahl als Koordinator des Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderungen stellt die Koordination des Europäischen Jahres durch die freie Wohlfahrtspflege für uns einen massiven Rückschritt dar", kritisierte Uwe Frevert vom Vorstand der ISL die Entscheidung des Ministeriums.

Nicht allein die Tatsache, dass gerade bei den Verbänden der freien Wohlfahrtspflege noch die schärfsten Verfechter und Profiteure der Ausgrenzung behinderter Menschen in Sondereinrichtungen ansässig sein, sondern auch die Tatsache, dass gerade aus kirchlichen Kreisen zum Teil erheblicher Widerstand gegen das Antidiskriminierungsgesetz gekommen sei, werfe die Frage auf, ob hier nicht der Bock zum Gärtner gemacht werde. Die Mitgliederversammlung der ISL protestierte daher entschieden dagegen, dass die Koordination dieses Jahres an die Wohlfahrtsverbände vergeben und wurden und die zur Verfügung stehenden Mittel für Veranstaltungen und Aktionen ein echtes und breites Engagement für die Chancengleichheit benachteiligter Gruppen bereits im Keim ersticken würde. "Hier setzt sich das Drama und der Diletantismus fort, den wir in den letzten Jahren schon bei der Verabschiedung des Antidiskriminierungsgesetzes erleben mussten. Der Eindruck, dass in Deutschland nach wie vor eine echte Gleichstellung gar nicht gewollt wird, wird hier aufs neue bestätigt", so Uwe Frevert. omp
 

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