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22.11.2002 - 15:36
Mit Playback für Assistenz geworben
Der Bedarf werde dort nicht durch zähe und immer wiederkehrende Begutachtungen verschiedener Träger ermittelt, sondern in einem meist sehr vertrauensvollen Gespräch mit nur einer zuständigen Stelle besprochen. Das schwedische Assistenzgesetz von 1994, an dessen Zustandekommen Ratzka entscheidend mitgewirkt hat, regelt dabei, dass die Assistenz in Schweden nicht mehr von den einzelnen Kommunen unterschiedlich gehandhabt wird, sondern, dass es keine Rolle mehr spielt, in welchem Teil des Landes man wohnt. Dass diese Regelungen effektiv sind, beweist die Tatsache, dass es Adolf Ratzka und vielen anderen behinderten Menschen möglich ist, selbstbestimmt außerhalb von Einrichtungen zu leben, die in Schweden in weiten Bereichen mittlerweile zur Geschichte gehören. «Ich hätte nicht heiraten können, wenn es mir nicht möglich wäre, mit Hilfe meiner Assistenz Verantwortung für mein eigenes Leben, mein Haus und meine Tochter übernehmen zu können, denn sonst wäre keine gleichberechtigte Beziehung für uns möglich», erklärte Ratzka. Das Assistenzgesetz gibt mir die Möglichkeit, meinem Beruf nachzugehen, mich um mein Haus zu kümmern, dass meine Frau arbeiten gehen kann und mich adäquat um meine Tochter kümmern zu können». Dass diese Ausführungen auch bei den deutschen PolitikerInnen nicht spurlos vorbei gingen, zeigte allein schon die Tatsache, dass diese während des Vortrags von Adolf Ratzka viel mitschrieben. In der Diskussion brachte die Behindertenbeauftragte der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Helga Kühn-Mengel, dann auch zum Ausdruck, dass sie mit den eher mageren Sätzen zur Absicherung der Assistenz im Koalitionsvertrag auch nicht zufrieden sei. Dieser sei jedoch nur ein erster Rahmen und sie sei sich sicher, dass das Thema in dieser Legislaturperiode angepackt werde. Dr. Richard Auernheimer führte als Staatssekretär im Sozialministerium und Behindertenbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz aus, dass Rheinland-Pfalz ernsthaft daran arbeite, neue Akzente für ein selbstbestimmtes Leben Behinderter zu setzen und hob die Wichtigkeit der Selbstbestimmt Leben Initiativen hervor. «Wir werden am 4. Dezember ein Landesgleichstellungsgesetz verabschieden, um die Barrierefreiheit zu verbessern. Mein Wunsch wäre es, dass es mehrere Selbstbestimmt Leben Agenturen gibt, die die nötigen Angebote machen, um behinderten Menschen ein selbstbestimmteres Leben zu ermöglichen», so Dr. Auernheimer.
Dass es zur Zeit anscheinend eine erhebliche Diskrepanz zwischen den schönen Worten der PolitikerInnen und den offenkundig gewordenen Finanznöten auf allen Ebenen gibt und sich daraus viele Unsicherheiten ergeben, machte Dr. Spielmann aus Eisingen stellvertretend aus dem Publikum deutlich. Adolf Ratzka schlug daher als ersten Schritt vor, mit einem Modellversuch zu starten, durch den behinderten Menschen die Hilfe aus einer Hand bedarfsgerecht gewährt wird, um zu beweisen, dass dies weitgehend effektiver ist, als die bisherige Herangehensweise. omp |
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